Was macht einen Arbeitgeber heute wirklich attraktiv? Neben Gehalt, Aufgabenprofil und Unternehmenskultur rücken zunehmend Faktoren in den Fokus, die lange als reine Organisationsthemen galten. Einer davon: die Geschäftsreise. Wie Unternehmen Reisen ermöglichen, steuern und gestalten, sagt inzwischen viel darüber aus, wie ernst sie Flexibilität, Nachhaltigkeit und individuelle Bedürfnisse nehmen.

Mehr als nur von A nach B

Geschäftsreisen waren lange klar geregelt: buchen, fliegen, Termin wahrnehmen, zurück. Effizienz und Kostenkontrolle standen im Vordergrund. Doch diese Sicht greift heute zu kurz. Denn für viele Beschäftigte – insbesondere jüngere Generationen – sind Reisen Teil des Arbeitsalltags, der Freiraum bieten darf und Werte widerspiegeln soll.

Flexible Buchungsoptionen, transparente Kosten, die Möglichkeit, private Zeit mit beruflichen Terminen zu verbinden oder bewusst nachhaltige Reiseentscheidungen zu treffen, werden zunehmend als Benefit wahrgenommen. Wer hier moderne Lösungen bietet, sendet ein klares Signal: Dieses Unternehmen denkt Arbeit zeitgemäß.

Der unsichtbare Stressfaktor

Die Realität sieht in vielen Unternehmen allerdings noch anders aus. Starre Reiserichtlinien und komplizierte Prozesse können schnell zum Frustfaktor werden und das oft unbemerkt von der Führungsebene. Wer schon einmal drei Tage auf eine Reisegenehmigung gewartet hat, während der Flugpreis stetig stieg, kennt das Gefühl der Ohnmacht. Oder wer Wochen nach der Reise noch immer auf die Spesenerstattung wartet, weil ein Beleg nicht den Vorgaben entsprach.

Besonders belastend wirken Situationen, in denen Mitarbeitende zwischen persönlichen Präferenzen und Firmenrichtlinien abwägen müssen. Darf ich die Bahncard nutzen, die ich privat besitze? Muss ich das günstigste Hotel buchen, auch wenn es eine Stunde vom Termin entfernt liegt? Kann ich einen Tag länger bleiben, um Freunde zu besuchen – und wer trägt dann welche Kosten? Und bin ich in dem Fall auch versichert?

Diese scheinbar kleinen „Reibungspunkte“ summieren sich. Sie vermitteln eine Botschaft, die kein Unternehmen bewusst senden möchte: Wir vertrauen dir nicht. Deine Zeit ist uns nicht wichtig. Dein Wohlbefinden ist zweitrangig.

Hinzu kommt die fehlende Transparenz in vielen Reisesystemen. Unklare Budgets, versteckte Gebühren oder nachträgliche Kürzungen bei der Abrechnung schaffen Unsicherheit. Gerade für jüngere Mitarbeitende, die vielleicht zum ersten Mal geschäftlich unterwegs sind, kann das zur Belastung werden. Statt sich auf den eigentlichen Termin zu konzentrieren, kreisen die Gedanken um administrative Details.

Unternehmen, die solche Hürden abbauen, gewinnen nicht nur Zeit ihrer Teams und sorgen für eine stressfreiere Arbeitszeit. Sie schaffen auch Vertrauen – und das spielt in einer Arbeitswelt, in der Autonomie, Eigenverantwortung und Wertschätzung großgeschrieben werden, eine zentrale Rolle.

Unterschiedliche Generationen, unterschiedliche Erwartungen

Gerade ein Blick auf die Generationen macht deutlich, wie unterschiedlich diese Erwartungen heute sind. Jüngere Mitarbeitende setzen auf digitale Tools, Nachhaltigkeit und Flexibilität. Für viele Millennials zählen Effizienz, Work-Life-Balance und zusätzliche Anreize wie Bonusprogramme oder komfortable Buchungsprozesse. Erfahrenere Mitarbeitende legen hingegen Wert auf Verlässlichkeit, Komfort und hochwertige Services.

Die Herausforderung für Unternehmen liegt darin, diese unterschiedlichen Erwartungen unter einen Hut zu bringen. Pauschale Reiserichtlinien stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Gefragt sind flexible, modulare Konzepte, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigen, ohne Kontrolle und Transparenz zu verlieren.

Reisen als Teil der Arbeitgebermarke

Dass Geschäftsreisen heute auch eine Rolle im Employer Branding spielen, ist kein Zufall. In Zeiten von Fachkräftemangel entscheiden oft Nuancen darüber, welches Angebot überzeugt. Die Art, wie Unternehmen Reisen organisieren, wird dabei zunehmend als Ausdruck von Wertschätzung wahrgenommen.

Studien bestätigen diesen Trend. Der „Changing Traveller Report 2025“ von SiteMinder zeigt, dass insbesondere jüngere Generationen Geschäftsreisen häufiger mit persönlichen Erlebnissen kombinieren möchten. Workation und Bleisure sind längst keine Ausnahme mehr, sondern Teil moderner Arbeitsrealitäten.

Technologie macht den Unterschied

Ein entscheidender Faktor ist die technologische Umsetzung. Intuitive, mobile Buchungsplattformen, klare Preisstrukturen und flexible Zahlungsmöglichkeiten sind heute Standarderwartungen. Unternehmen, die zusätzlich auf personalisierte Angebote oder datenbasierte Empfehlungen setzen, schaffen nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch ein besseres Nutzererlebnis.

Hier kommen moderne Travel Management Companies ins Spiel. Sie verknüpfen Reiseorganisation mit HR-, Finanz- und IT-Systemen und ermöglichen so Lösungen, die sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeitenden als auch den Anforderungen des Unternehmens gerecht werden.

Ein unterschätzter Hebel im Wettbewerb um Talente

Geschäftsreisen sind damit weit mehr als ein logistisches Thema. Sie beeinflussen Zufriedenheit, Motivation und Bindung – und wirken nach außen auf potenzielle Bewerberinnen und Bewerber. Unternehmen, die ihre Travel Policy strategisch weiterentwickeln, verschaffen sich einen Vorteil, der oft unterschätzt wird.

Wer Geschäftsreisen als Teil der Employee Experience versteht und entsprechend gestaltet, positioniert sich als moderner Arbeitgeber. Und trifft damit genau die Erwartungen einer Arbeitswelt, in der Flexibilität, Sinn und Komfort immer wichtiger werden.